Diese Webseite enthält einen Bericht unserer Südamerika-Tour mit Motorrad und Gespann, die wir zum Jahreswechsel 2009/2010 durch Argentinien, Chile und Uruguay unternommen haben.
Unsere Webseite zu den Motorradreisen nach Südamerika (vor allem Patagonien) findet ihr hier.
Unsere Webseiten findet ihr allgemein unter:
... und nun viel Spaß beim Lesen des Andinos-Blogs" ;-)
Angekommen ... ! (30/1/2010)
Es musste natürlich wieder spannend werden: bis kurz vor 16 Uhr haben wir mit Mario, dem Zollspezialisten von eaff, in der schwülen Hitze bei EMBA herumgehangen und darauf gewartet, dass etwas passiert. Diesesmal dauerte die Mittagspause bei dem Laden bis kurz vor 15 Uhr (bei einem Arbeitsbeginn von etwa 10.30, Pausenbeginn um 13.00 und Arbeitsschluss gegen 16.30 sicher nicht der schlechteste Job in Argentinien ... ). Aber schliesslich durften wir unsere Unterschriften unter irgendwelche obskuren Dokumente setzen und waren befreit - den Rest der Prozedur wollte Mario alleine absitzen - muchas Gracias, Mario!!!
So treffen wir in der Stadt wieder mit Sandra und den Kindern zusammen, die die Stunden in Klamottenläden und dem hervorragenden Café "Florida Garden" verbracht haben ;-)
Ein letztes Mal "Pie de Lemon" und Helado, dann schnell noch ins Hotel, per Radio Taxi durch den Stau nach Ezeiza, und um 19:30 reihen wir uns in die circa zweieinhalb Kilometer lange Schlange vor dem Lufthansa-Schalter ein. Die Maschine ist gestopft voll, womit die Lufthansa-Crew sicher nicht gerechnet hat - somit verzögert sich der Abflug bis kurz vor Mitternacht ...
Zu früh gefreut ... (29/1/2010)
War ja irgendwie klar, dass es nicht problemlos abgehen würde, wenn wir denken, es sei alles in Butter ... nachdem wir uns heute morgen beim Frühstück überlegt haben, wie wir bei 34 Grad im Schatten die restlichen Stunden bis zum Flieger rumbekommen könnten (beispielsweise mit Shopping oder Cafébesuchen ;-)), erreichte uns gleich danach ein Notruf von José, unserem Spediteur:
Diesesmal macht der Zoll Probleme bei der Ausfuhr der Motorräder - die spinnen, die Argentinier! Also rennen wir jetzt vom Spediteur zum Anwalt und zum Zoll, um mittels beglaubigter Vollmachten dem Spediteur die Ausfuhr unserer Motorräder zu ermöglichen - und das alles bei über 30 grad im Schatten und mit dem Abflugtermin im Nacken.
Wir erstellen dazu gerade Vollmachten beim "Escribano Rapido", einem Schnellnotar, der im Schnellverfahren solche Beglaubigungen ausstellt - aussehen tut so ein Laden wie ein besserer Strassenkiosk. Der ganze Hassel liegt sicher daran, dass wir die Motorräder persönlich als touristisches Begleitgut ein- und ausführen und nicht gewerbsmässig. Aber trotzdem nervt es etwas - und in 8 Stunden geht unser Flieger, dum-di-dum ...
Von den früheren Reisen kennen wir solche Sperenzchen auch nicht, aber so ist es halt bei Abenteuerreisen ... nächstes mal geht´s in den Harz!!
Angekommen ... ! (27/1/2010)
Unglaublich - aber wir sind angekommen ... nachdem wir gestern abend in demselben Hotel in Cañuelas, 70 Kilometer vor Buenos Aires, übernachtet haben wie auf der Hinfahrt, waren es heute morgen eineinhalb nervige, aber gut zu schaffende Stunden über die Autobahn bis ins finsterste La Boca zur Lagerhalle, wo wir die Motorräder wieder reisefertig verstauen.
8000 Kilometer teils übler Pisten liegen nun hinter uns mit 9 Reifenpannen, 57 Beinahe-Unfällen mit selbstmörderisch überholenden Argentiniern (naja, oder so in etwa ... ), einer defekten Batterie und einer zerrupften Lichtmaschine, die neue Nikon-Kamera und der Camcorder haben die Tour ebenfalls nicht unversehrt überlebt, sämtliche Helmvisiere sind vom Staub zerkratzt und aus sämtlichen Ritzen dürfte uns zuhause in Bremen wohl noch chilenische oder argentinische Erde entgegengerieselt kommen ...
Unterwegs, also ausserhalb von Buenos Aires, waren wir 40 Tage, von denen wir aber nicht immer gefahren sind - somit haben wir einen Tagesschnitt von etwas über 180 Kilometer "erfahren". Die Liter an Schweiß, die wir durch Hitze oder Angst ausgeschwitzt haben, konnten wir nicht zählen - zu viele ... ! Auf jeden Fall haben wir bestimmt die privaten Fotosammlungen hunderter Argentinier und Chilenen um viele, viele Bilder eines gelben Gespanns aus Deutschland mit zwei tapferen Kindern darin bereichert ... auf jeden Fall wissen wir, dass wir einige Male in lokalen Fernseh- und Radiosendungen aufgetreten sind - ich hoffe, die Einheimischen dort konnten wenigstens halbwegs etwas mit meinem grausam mangelhaften Castellano (= Spanisch) anfangen, und wenn es auch nur zur Belustigung gedient hat ...
Kleines Schmankerl am Rande, passend zu unserer Pech- und Pleitentour: die Stadtautobahn kostet in der Rush-Hour doppelt so viel, und die endet um 10 Uhr morgens - um 9:55 passieren wir die letzte Mautstelle, war klar ;-)
Ausserdem sind sich die Herren und Damen an den Mautstellen nie einig, wie sie Sandras Gespann taxieren sollen: einige winken es durch, andere verlangen den doppelten Preis wie für eine Solomaschine, aber fast allen fällt angesichts des fehlenden rechten Vorderrads erst einmal der Matetee aus dem Gesicht ;-)
2000 Kilometer Pampa ...
Es geht jetzt für die nächsten 5 Tage zuerst für 400 wunderschöne Kilometer durch die chilenische Region X, mit ständigen Ausblicken auf schneebedeckte Vulkane und an glasklaren Seen vorbei; nach der diesesmal unproblematischen Grenze erleben wir dann die Gegend um Bariloche noch einmal bei traumhaftem Wetter: die Berge dort sind beeindruckend, Felsformationen, wie wir sie sonst noch nirgends gesehen haben. In Villa Angostura ist es dermassen überlaufen, dass wir keine Cabaña (Hütte) mehr bekommen - also zelten wir für teures Geld auf einem immerhin recht schönen Campingplatz. Am nächsten Tag geht es bis hinter Bariloche noch einmal bei frischer Brise und angenehmen Temperaturen am tiefblauen Lago Nahuel Huapi vorbei und bei den "Dedos del Dios" durch eine Landschaft, die einfach unglaublich ist: Felsformationen, wie man sie von nordamerikanischen Nationalparks kennt, darin ein blaues Bächlein, Pappeln rauschen im Wind ...
Aber nur wenige Kilometer weiter beginnt dann wieder der Horror: innerhalb weniger Kilometer steigen die Temperaturen wieder auf 40 Grad, der Verkehr ist nervig, die Argentinier überholen, als sässen sie in einem Computerspiel mit unbegrenztem Punktekredit ... und so geht es die nächsten 1500 Kilometer bis Buenos Aires wohl weiter - entsetzlich! Übrigens ist es für die Argentinier in diesem jahr auch ein ungewöhnich heisser Sommer, und ich kenne solch extremen Temperaturen von meinen vorherigen Reisen auch nicht.
Dass bei Sandras Gespann dann der ebenfalls erst ein halbes Jahr alte Rotor zerfleddert und dabei den Stator gleich mit in den Tod reisst, kann uns inzwischen hingegen ebenso wenig erschüttern wie Reifenpanne Nummer 9 (oder 8? oder 10?) - Rotor und Stator tausche ich einfach allmorgendlich im Wechsel gegen die funktionierenden Teile der HPN-G/S, und bei der Reifenpanne kommt endlich der neue Enduro 3, den wir seit Puerto Montt als Ersatz mitschleppen, zum Einsatz!
Heimfahrt ... :-( (23/1/ - 27/1/2010)
Man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist ... trotzdem fällt es uns schwer, aus der schönen Gegend um Puerto Montt wegzufahren - zumal 2000 Kilometer Strecke bis nach Buenos Aires vor uns liegen. Auf der nächsten Tour werden wir die Motorräder wohl nach Valparaiso oder besser noch Valdivia in Chile verschiffen - dann erspart man sich Nerv und Stress mit den etwas unberechenbaren argentinischen Zollbehörden und vor allem die entsetzliche Hitze und Ödnis der Pampa ...
Heute geniessen wir aber noch einmal ein wenig Touristentrubel in Puerto Montt: Angelmo mit seinen vielen bunten Marktbuden, Andenkenläden und (Fr)Eßständen - der Kitsch und Nippes hier könnte ebensogut im Harz oder an der Loreley stehen, aber das kulinarische Angebot ist schon etwas Besonderes: es erinnert teilweise eher an einen Gebrauchtwarenladen, der einem beispielsweise zusammengeknüllte Fahrradschläuche verkaufen will; tatsächlich handelt es sich aber um getrocknete Algen, die der Chilene gerne mal als Nudelersatz isst. Diese Algen hatten wir tags zuvor am Strand des Pazifik gesehen - vielleicht tut sich da eine Quelle für einen netten Nebenerwerb auf ... ? Andere Eßwaren geben einen dermassen fremdartigen Eindruck von sich, dass wir dankend auf die Kostproben verzichten - allerdings wird man hier alle paar Meter von Marktschreiern umworben, die einen vor allem in ihre kleinen Restaurants locken wollen. Wir begnügen uns allerdings mit Empanadas (die es hier sogar mit Muschelfüllung gibt - hoffentlich haben sie vorher die Schale entfernt ... ) und Milcaos, einer Spezialität dieser Gegend.
Erst gegen Mittag kommen wir los - und auf den etwa 250 Kilometern bis zur argentinischen Grenze haben wir bei einem wolkenlosen Himmel und strahlend-blauem Himmel sämtliche schneebedeckten Bergspitzen im Blick - traumhaft ... ! Vor allem der Osorno bietet uns, nachdem er sich die Tage zuvor trotzig in ein dichts Wolkenkleid gehüllt hatte, noch einmal einen perfekten Anblick. Dazu eine kühle Brise vom Meer - wir können es gut verstehen, dass so viele Deutsche hierhin ausgewandert sind und es auch heute immer noch tun.
Party, Paläste und Pazifik! (21 - 22/1/2010)
Wir geniessen die Zeit in Puerto Montt - nachdem ich die neue Batterie ins Gespann implantiert habe, ist erstmal lecker Lachs essen angesagt in einem Restaurant am Ufer des traumhaft schönen Lago Llanquihue.
Am nächsten Tag ziehen wir mit Sack und Pack in das bescheidene Holzhäuschen von Marysol (jau, die heisst tatsächlich so - als wenn also eine Frau bei uns "WaldUndWiese" als Namen hätte ... ), die in ihrer Villa auf einem Grundstück von kümmerlichen 15000 Quadratmetern prächtige Baumbestände und einen Mirador, einen Ausguck, auf den 150 Meter entfernten Pazifik hat.
Wir fahren mit Samuel im "Gepäck" auf die Insel Chiloe, auf der wir endlich an den Pazifik gelangen - wenn auch in der "Sparversion" ... Danke an Carsti für den Schwertransport des mitunter etwas zappeligen Samuel auf dem Soziussitz. Nicht nur, dass Samuel zwischendurch gerne mal den Helm abnimmt, um mit dem Handy zu telefonieren - alle paar 100 Meter zieht er auch seinen Schminkspiegel heraus, und wir brauchen einige Zeit, um zu kapieren, wozu er das macht: er schaut nach, ob der Rest der Motorradbande aus Alemania auch brav folgt ...
Abends gibt es als krönenden Abschluss eine Party mit diversen Freunden, Familienmitgliedern und Kollegen - mit "Asado a la Samuel", siehe dieses Bild hier. Wie üblich, werden wir nach allen möglichen Sachen ausgefragt, erfahren so aber im Gegenzug auch wieder sehr viel über Land, Leben und Leute hier in Chile. Muchas Gracias a Samuel, Paulina, Christian, Marysol und alle anderen!!
Kaputte Neuteile und ein Wiedersehen mit Puerto Montt (20/1/2010)
Nach einigem Gebastel stellen wir fest, dass die Batterie defekt ist - die haben wir noch kurz vor der Tour gewechselt, sie ist also erst wenige Monate alt - unglaublich! Und da fällt mir ein, dass ich in den Monaten vor der Tour bereits Startprobleme mit der G/S hatte, die erst verschwunden sind, nachdem ich genau dieselbe Batteriemarke aus der Maschine rausgeschmissen und gegen eine Gelbatterie der R 1100 RS ausgetauscht habe ... ein Serienfehler?
Wie auch immer, wir fahren munter mit Gespann und Carstens und Harris BMW GS nach Puerto Montt - die HPN-G/S bleibt als Ersatzteilspender auf dem Platz stehen. In Puerto Montt sehen wir Samuel wieder, der sich riesig über das Wiedersehen freut, und kaufen für teures Geld eine neue Batterie für das Gespann - es kann also weitergehen ... !
Endlich mal eine "richtige" Panne ...! (19/1/2010)
Wir können uns kaum von dem schönen Platz am Lago Llanquihue trennen - aber es hilft nichts, wenn man bei "Andinos Weltreisen" gebucht hat, bleibt keine Zeit für Erholung ... ;-)
Wir fahren die 20 KM Schotterpiste durch den Dschungel am Rande des Sees - eine traumhafte Strecke, die im Moment leider asphaltiert wird. Nicht nur, dass die Dschungelromantik damit bald passé sein dürfte - es ist dadurch auch mal wieder eine schw(m)ierige Sache, da die Chilenen vorsorglich schon mal die gesamte Strecke aufgerissen und in eine Lehmpiste verwandelt haben, auch, wenn die Asphaltierung selber noch zwei Jahre auf sich warten lassen soll.
In einer abgelegenen Hütte mitten im Wald kaufen wir den besten Honig von ganz Chile, und anschliessend geht´s zur Skistation, die auf halber Höhe des Osorno liegt. Auch diese Piste wurde in den vergangenen fünf Jahren asphaltiert - dafür ist es aber eine Bergstrecke geworden, die denjenigen in Alpen und Norwegen in nichts nachsteht.
Dummerweise bleibt das Gespann, nachdem es 5500 Kilometer ohne Probleme gelaufen ist, auf dem Vulkan Osorno mit einem Totalausfall liegen ... irgend ein vollkommen merkwürdiger Elektrikfehler, nichts geht mehr. Und Sandra war ohnehin gerade etwas genervt, weil die kurvige Auffahrt auf den Berg ihr überhaupt keinen Spass gemacht hat - es ist halt etwas ganz anderes mit einer leichten Solomaschine als mit dem fetten Gespann ... zudem ist es kalt, fängt an zu tröpfeln und es ist schon spät ...
Da das Gespann dann bergrunter wieder läuft, im Tal aber anschliessend wieder nicht anspringt, bleiben wir ungeplant hier, 70 Kilometer vor Puerto Montt (wo wir meinen Freund Samuel besuchen wollen) in einer Hütte am See. Die letzten 2 Kilometer schieben wir das Gespann, unter tatkräftiger Mithilfe einiger Chilenen. Wir haben immerhin eine sehr schöne Hütte auf dem Campingplatz in Ensenadas - mit WiFi! Die Bauarbeiter, die wir tagsüber auf der Lehmpiste gesehen haben, werden abends per Reisebus auf exakt unseren Platz gekarrt zum Abendessen. Wir wagen uns anschliessend ebenfalls dorthin, in ein sehr rustikales Ambiente mit Holzstümpfen als Hocker. Das Essen ist äußerst gut - mit Tomaten, die dermassen schmackhaft sind, dass man wahrscheinlich nur eine einzige von ihnen bräuchte, um ein Kilo unserer heimischen holländischen roten Wasserbomben wenigstens etwas Aroma beizubringen. Anschliessend lecker Postre, und für Salat und Hauptgericht plus Wein, Wasser und Dessert bezahlen wir umgerechnet etwa 7 Euro pro Person.
Morgen sehen wir mal weiter ...
Nummer 9 lebt! (18/1/2010)
Wir sind endlich am Lago Llanquihue am Fuss des beeindruckenden Vulkans Osorno gelandet! Meine chilenische Amiga Julieta, die wir dort besuchen, freut sich über unseren Besuch und verspricht "Kuchen con Streusel" für den nächsten Tag. Damit keine Langeweile aufkommt, sorgt heute Harald für einen Platten - in sein Hinterrad hat sich eine etwa 8 cm lange Schraube gefressen. Plattfuss Nummer 9 auf dieser Reise ... !
Da es in Las Cascadas eine Gomeria/Vulcanizacion gibt, ist der Schaden eine halbe Stunde und 1000 Pesos (= ca. 1,50 Euro!!!) später behoben.
Auf Julietas Campingplatz am See hat sich noch Carlos mit seiner KTM eingefunden, der für 10 Monate durch Südamerika unterwegs ist; so können wir abends am Lagerfeuer alle ordentlich mit unseren nett ausgeschmückten Reisegeschichten auf die Kacke hauen ... ;-)
Sonntagsarbeit und Zwangsabstinenz (17/1/2010)
Wir haben eine sehr schöne Hütte am See Puyhue. Harald und ich suchen per Gespann eine Gomeria (die hier in Chile Vulcanizador heisst). Tatsächlich finden wir einen Vulcanizador, der am heutigen Sonntag umgehend die insgesamt sieben (7!) Löcher im Schlauch repariert, während wir in der Zwischenzeit das chilenische Dorfleben in Entre Lagos auf uns wirken lassen. Es ist Wahltag, und alles strömt zu den Wahllokalen. Neben dem Supermarkt ist ein grosser Grill aufgebaut, an dem wir uns zuerst anmelden müssen, dann werden wir auf die Warteliste gesetzt, und eine Stunde später dürfen wir unser Stück Fleisch abhiolen und im Supermarkt bezahlen. Gut, dass es nicht regnet! Alles findet unter freiem Himmel statt, und ein bedauernswerter älterer Herr muss den Grill die ganze Zeit über mit der Hand drehen ...
Nach erfolgreicher Reifenreparatur fahren wir die 50 Kilometer zurück zur Grenze und holen die G/S ab - heute, bei Sonnenschein, ist die Strecke traumhaft.
Abends gibt es lecker Asado und Empanadas, aber da an Wahltagen in Chile kein Alkohol verkauft werden darf, bleiben wir heute zwangsweise einmal abstinent ...
Schlimmer gehts nimmer ... (16/1/2010)
Nach den herrlichen Tagen in unserer feudalen Villa am See wollen wir endlich weiter nach Chile - und fahren ab Villa Angostura, dem letzten Ort vor der Grenze, wieder in Wolken und Regen ...
Damit es nicht langweilig wird, hat die G/S auf dem Weg nach Bariloche Plattfuss Nummer 5 - Ventilabriss! Dabei hatte ich den Luftdruck noch kurz vorher kontrolliert ... Immerhin geschieht der Platten noch bei Sonnenschein. Diesesmal beheben wir den Schaden selber, indem wir den Ersatzschlauch einziehen. Und mit der 10-cm-Handluftpumpe aus Haralds Bordwerkzeug dauert das Aufpumpen auf 2,5 Bar nur eine knappe Viertelstunde! Wenn dieser Urlaub vorbei ist, kann ich immerhin als halbseitiges Werbemodell für Body-Building arbeiten.
Bei dieser Gelegenheit bemerken wir einen Riss im Reifen, der komplett durchgeht - auha! Also suchen wir in Villa Angostura eine weitere Gomeria, wo einfach von Innen ein Flicken in die Decke gezogen wird - so etwas kennt man dort offenichtlich, und neue Reifen sind ja auch irgendwie unnütz teuer.
Die Ausreiseformalitäten aus Argentinien heraus gehen angenehm zügig, 40 Kilometer weiter durch den strömenden Regen ist der Grenzposten nach Chile - nun wird es spannend, ob die Papiere für die Kinder akzeptiert werden.
Die Strecke ist kurvig, die Gegend erinnert an Norwegen im Regen ... Urplötzlich kommt der Verkehr zum Stehen, ein Stau mitten im Urwald? Tatsächlich wartet alles vor der chilenischen Grenzkontrolle. Reisende, die nach vorne gegangen sind, berichten davon, dass wir einige Stunden warten sollen - die Grenzer kontrollieren wohl sämtliche Fahrzeuge auf der Suche nach verbotenen Lebensmitteln. Mit einem Mal erinnern wir uns an die Geschichte anderer Reisender, die geschlagene 8 Stunden an der Grenze bei Mendoza gewartet haben ...
Es regnet, es ist kalt, und während die automobilen Reisenden in ihren Fahrzeugen sitzen und den Scheiben beim Beschlagen zusehen, stehen wir mit aufgeklappten Schuberth-Helmen im Regen und verzehren unsere argentinischen Lebensmittelreste. Gelegentlich rollt die Schlange einige Meter vorwärts. Die Kinder sind so nett, das Gespann zu schieben, so sparen wir Benzin und Flo und Line haben wenigstens ihren Spass ;-)
Wir müssen nur knapp drei Stunden im Regen warten, dann sind wir schon dran. Die Formalitäten sind selbst für mich, der die Grenze bestimmt schon zwei Dutzend Mal überschritten hat, diesesmal merkwürdig verwirrend - ausserdem müssen wir einige Papiere doppelt ausfüllen, weil wir sie mit unseren regennassen Klamotten durchtränken.
Und jetzt kommt der Hammer Nummer 1: alle Fahrzeuge werden penibelst untersucht wie weiland an der DDR-Grenze selig - das kann dauern ... ! Andere Reisende berichten, dass sie so etwas noch nicht erlebt haben - da haben wir aber Glück gehabt, dass wir heute in diesen Genuss gekommen sind ...
Die Zöllner konfiszieren Haralds Honigglas, die Marmelade dürfen wir mitnehmen, die streng verbotenen Kartoffeln, Zitronen, Käse, Wurst, Joghurt und Butter finden die Zöllner gar nicht erst. Wir haben dabei auch nicht so ein richtig schlechtes Gewissen, da wir uns schwerlich vorstellen können, dass Fruchtfliegen und andere Schädlinge brav an der Grenze warten und fragen, ob sie einreisen dürfen - irgendwie scheinen die Chilenen in diesem Punkt etwas naiv zu sein. Dafür sind jetzt alle unsere Gepäckrollen feucht vom Regen - Klasse!
Wie auch immer, der Hammer Nr. 2 an diesem Tag ist, dass sich kein chilenischer Zöllner für die hochwichtigen Dokumente der Kinder interessiert - wir hätten uns den ganzen Aufwand also sparen können.
Was aber immer noch nichts gegen Hammer Nr. 3 an diesem Tag ist: als wir endlich gegen 8 Uhr abends - genervt, müde und durchgeregnet - weiterfahren wollen, hat die G/S erneut einen Plattfuss - Nummer 6 in diesem Urlaub! Und erneut ist das Ventil abgeirssen, Reparatur zwecklos. Wir ziehen einen 17-Zoll-Schlauch von den Paralever-GSen auf die 18-Zoll-Felge, was sogar funktioniert hätte, wenn wir beim Aufziehen nicht dummerweise mit den Montierhaken von Polo den Schlauch durchlöchert hätten ... wir müssen das Motorrad an der Grenze stehen lassen und sehen, ob wir den Reifen im 50 Kilometer entfernten Entre Lagos repariert bekommen.
Immerhin ein kleiner Lichtblick: die erste Reisende, die wir ansprechen, ob sie uns mitnehmen kann, ist die deutsche Studentin Johanna, die mit ihrem chilenischen Geländewagen unterwegs ist. So nimmt sie Sandra und die Kinder im Auto mit bis nach Entre Lagos, während ich das Hinterrad der G/S im Seitenwagen transportiere - und so endlich mal wieder Gespann fahren darf ... ;-)
Und kurz vor Entre Lagos finden wir eine gemütliche Cabana (Holzhütte) am See, in der bereits der Ofen angeheizt ist - herrlich! Johana und ich fahren noch kurz in den Ort, um sonnabend abends um 11 einzuzkaufen, was - wie üblich in Chile - kein Problem ist. Mit einem Schlag fühle ich mich auch wieder richtig heimisch in Chile - die freundlichen und im Vergleich zu den Argentiniern eher ruhigen und zurückhaltenden Chilenen, die typischen Holzhütten, der allgegenwärtige Geruch der Holzöfen und vor allem das ständige "Ya!", was "Nun" bedeutet und für unsere Ohren verdächtig nahe am norddeutschen "Jau!" dran ist ...
Mit Vino und Cerveza und Chips und chilenischer "Sahne Nuss"-Schokolade (die heisst hier tatsächlich so) lassen wir den Abend immerhin noch gemütlich ausklingen; "Manana manana" sehen wir weiter!
Auf nach Chile! (15/1/2010)
Unglaublich - die Papiere, wegen derer wir vor mehr als zwei Wochen am Paso San Franziso von den chilenischen Grenzbeamten abgewiesen wurden, sind hier am Campingplatz Selva Negra per FedEx eingetroffen!!! Vielen Dank an Frank Taddei von MaLiWi IT und Till von Sprint-Logistik in Bremen. Nun wollen wir am morgigen Sonnabend versuchen, nach Chile hineinzukommen und in und um Puerto Montt unsere chilenischen Freunde zu besuchen.
Faule Tage am See ... (11/ - 16/1/2010)
Seit einigen Tagen geniessen wir Ruhe, Wind, Wasser und Wälder hier in San Carlos de Bariloche - die Motorräder haben einmal (fast) Ruhe. Fast, weil wir natürlich von kleineren Touren in die nähere Umgebung nicht lassen können: zum Lao Lao Hotel zum Beispiel und auf den Cerro Otto, auf den eine nette Schotterstrecke führt.
Und wir erfreuen uns unserer "Villa" am See, mit dem tollen Rosengarten und der grossen, grünen Wiese, auf der man herrlich relaxen kann: faulenzen, ausschlafen, lesen, wandern, cafe con leche, Cerveza und Vino trinken und den Wolken am Vorüberziehen zusehen ...
Wind, Wolken, Wellen und massenweise Schokolade (11/1/2010)
Da fährt man 5000 Kilometer durch Pampa, Wüste, Staub, Hitze, Schotter, Sand und Schlaglochpiste, um schliesslich in Bariloche, dem eher skandinavisch geprägten Teil Argentiniens, festzustellen, dass uns kühles Wetter, Wind, sattes Grün und rauschende Flüsse doch am Liebsten sind - aufregende Andenpässe hin oder her.
Aaaber dann doch bitte auch nicht gleich wieder so:
Nach noch etwa 30 Grad und 99% Sand und Steinen am Morgen in Las Lajas tauchen wir bei Junin de los Andes urplötzlich in eine Welt aus Grün (Bäume) und Blau (Wasser) ein - unglaublich ... !
In San Martin de los Andes zelten wir schliesslich, müssen das erste mal in diesem Urlaub unsere dicken Pullover herauskramen und geraten am nächsten Tag in einen 10stündigen Regenguss im Rahmen einer perfekt norwegischen Landschaft mit Fjorden, Wasserfällen und Nebel in den Bergen (auf denen auch noch Neuschnee liegt!). Die Schlaglochpisten sind dermassen deftig, dass zuerst einmal Sandra ihren Auspuff verliert, den wir dann in einer Flickaktion im Regen wieder an das Gespann anheften - wobei der Sound ohne Auspuff schon geil und so richtig argentinisch war!!!
Etwas später wundere ich mich über das eiernde Fahrverhalten der ansonsten bombenstabilen G/S - gebe ich Gas, ist alles OK, bei Lastwechseln und in Kurven fühlt es sich an wie fünf Plattfüsse gleichzeitig. Da ich ja zuvor einen Platten im Vorderrad hatte, schaue ich dort nach - alles OK.
Schliesslich halte ich vorsichtshalber mal an und muss feststellen, dass alle (!) 3 Haltemuttern des Hinterrads lose sind - das Rad hing nur noch wenige Zentimeter vor der endgültigen Trennung vom Endnatrieb halb in der Luft!!
Vollkommen unglaublich, fast 5500 Kilometer nach dem letzten Reifenwechsel und nach fast 1000 Kilometern teilweise übelster und zumeist flott gefahrener Schotterpisten ausgerechnet jetzt ... ?!
Wir überprüfen jedenfalls erst einmal sämtliche kritischen Schraubenverbindungen und sind froh, als wir, vollkommen durchgefroren und erschöpft, nach ewigem Herumfahren und stundenlanger Quartiersuche im anscheinend vollkommen überbuchten San Carlos de Bariloche spätabends noch rein zufällig auf eine traumhafte Villa stossen - riesig gross, an einer Hanglage am Seeufer inmitten eines traumhaften Rosengartens, mit alten Bäumen, die im Wind rauschen, einem fantastischen Ausblick auf die schneebedeckten Berge der Nationalparks Lanin und Nahuel Huapi, einem Bäcker in 150 Meter Entfernung, WiFi und einem Kamin im Wohnzimmer - die Villa wird von einem aufgekratzten Engländer vermietet, der uns animiert, gleich für einige Tage hier zu verweilen. In Bariloche gibt es zudem - neben viel zu viel Verkehr, Hektik und Nippes - Schokoladenfabriken, die wir erst einmal ausgiebig durchtesten. Dann "nach Hause" in unsere Villa am See, die Empanadas auspacken und den Vino entkorken - wir fühlen uns wie schottische Lords in einem Miss-Marple-Film und wollen hier erst einmal gar nicht mehr weg ...
Patagonien und Plattfüsse (9/1/2010)
Wir sind mal wieder in Patagonien - was man an den heftigen Sturmböen merkt, von denen wir seit heute geplagt werden. Gestern abend haben wir bereits auf der patagonischen Seite des Rio Grande gezeltet - unter einem gigantinschen Sternenhimmel und auf einem sehr sandigen und staubigen Zeltplatz in der Einsamkeit, der uns heute morgen sogar einen Skorpion beschert hat. Und heute mittag musste eine arme argentinische Schlange Sandras Gespann ausweichen. Dafür war noch Basteln angesagt: meine (Lars) G/S hatte denselben Plattfuss im Vorderrad zweimal, erst die "Gomeria El Rapido" in Las Lajas hat den Schaden nachhaltig behoben - und nebenbei den gebrochenen Seitenständer (HPN!!!) geschweisst bzw. geschient und den Kofferträger am Gespann geflickt - und das Ganze für 12 Euro Werkstattlohn ... vielleicht sollte man für Motorradreparaturen demnächst den Umweg nach Argentinien in Kauf nehmen ... ?
Bäume, Berge, grüne Wiesen, klares Wasser, 16 Grad und Reizhusten!!! (7/1/2010)
Wir sind wieder unterwegs - diesesmal in Richtung Süden (was auf dieser Seite der Erdkugel Kühle, grüne Frische und Südpol bedeutet). Nachdem Harri und ich (Lars) zwei Tage vor Sylvester aus lauter Langeweile schon mal Harris GS zerlegt hatten, weil wir endlich mal eine Panne an den alten 2-Ventilern haben wollten (und letztlich nur das Massekabel an der Batterie ordentlich mit Kontaktspray versehen und festgezogen haben - sch... langlebige BMW-Boxer!!), hat Sandra gestern für die erste, ordentliche Panne an den geballten 95 Jahren Hi-Tech unserer 4 Kühe gesorgt - im Hinterrad des Gespanns hatte sich ein Nagel festgesaugt (kein Wunder bei dem Fahrstil ... ). Das geniale in Argentinien: bereits nach einer knappen halben Stunde ging es bereits weiter, es gibt schliesslich an jeder Ecke Gomerias (Reifenhändler).
Und - WIR SIND WIEDER IM GRÜNEN!!! Wir hatten südlich von Mendoza eine traumhafte Cabana (Hütte) mit Swimming-Pool, AirCondition, eigenem Apfelbaumhain und schattigen Wiesen - genial! Und gestern morgen hatten wir nach wolkenbruchartigen Regenfällen endlich einmal Temperaturen unterhalb 20 Grad - unglaublich ...
Jetzt sind wir ein Stück in die Anden gefahren, es sah unglaublich schön aus gestern abend: ein sehr beeindruckendes Abendlicht, Berge und Felsen wie eine Mischung aus Schottland, den Alpen und den Anden, und trotz des etwas trostlosen Ambientes des Wintersportortes Las Lenas, in dem wir (mal wieder) ein Appartement bezogen haben (obwohl traumhaft idyllische Zeltplätze am Wgesrand gelockt hätten), ist es hier sehr schön: munter plätschernde Gebirgsbäche, grün-rötlich-lila-orange-purpurne Berghänge, ein angenehm kühler Wind ... fantastisch!
Jetzt wollen wir mal sehen, dass wir Harris und Carstis Reizhusten wegbekommen (wir schwanken noch: Antibiotika? Aussetzen? Einschläfern ... ?), und dann wollen wir morgen weiter Richtung Bariloche fahren.
Kleine Anmerkung: vielen, vielen Dank für die vielen, netten Mails, die uns erreicht haben (direkt oder über die Webseite www.andinos.de)!!! Hat uns sehr gefreut!! Allerdings haben wir im Moment dermassen sporadisch und dann auch noch langsames Internet, dass wir neben dem Aktualisieren der Webseite und etwas Arbeit (was den Autor dieser Zeilen betrifft :-( .... ) leider viel zu wenig Zeit und Gelegenheit haben, auf eure Mails zu antworten.
Sensationen! (3/1/2010)
Wir sind wieder unterwegs - und inzwischen haben wir den Frust über die Korrektur der Urlaubspläne ein wenig verwunden. Wir stossen nämlich auf zwei Sensationen: erstens gibt es DOCH Leben auf dem Planeten Argentinien - ein paar hundert Kilometer hinter Fiambala treffen wir grüne Wiesen und Bäume an, sogar Wasserläufe, die auch Wasser führen, sehen wir. Und zweitens finden wir in Barreal (in der Höhe von San Juan) eine Toilette, die nicht nur sauber und mit Wasser, Seife und Klopapier versehen ist, sondern deren Wasserspülung sogar dem Volumen und Gewicht unserer mitteleuropäischen Verdauungsrückstände gewachsen scheint *. Wir überlegen kurzzeitig, diesen denkwürdigen Ort bei der UNESCO in das Weltkulturerbe der Menschheit aufnehmen zu lassen, entscheiden uns angesichts des neuen Temperaturrekords von 44 Grad (Plus!) aber für eine zügige Weiterreise in den kühlen Süden ...
(* = Wer dieses Thema unappetitlich findet, hätte erstens nicht bis hierhin lesen dürfen und sollte zweitens auf eine Reise nach Südamerika verzichten, es sei denn, er/sie nimmt ein eigenes Dixiklo mit auf die Reise)
Kleine routentechnische Korrektur der Reise ... ;-) (1/1/2010)
"Happy New Year, Miss Sophie!" Seid ihr alle gut reingekommen ... ? In unseren düstersten Momenten hier wünschen wir euch alle 3 Wochen norddeutsches, graues Schmuddelwetter an den Hals, wohl wissend, dass ihr dort oben im Norden am Rodeln und Scheibenkratzen seid. Rodeln können wir auch, aber bei knapp 40 Grad eher durch das Schweisskissen an unseren Allerwertesten, und die Verkleidungsscheiben unserer Moppeds müssen wir stündlich vom Wüstensand befreien ...
Um unserem kümmerlichen Dasein einen neuen Sinn zu geben, beschliessen wir, auf den heissen chilenischen Norden (Atacama!) und angesichts unserer Probleme mit der Höhe auf das 4000 Meter hoch gelegene bolivianische Altiplano zu verzichten und die 1800 KM in den Süden zu fahren - Patagonien, die Carreterra Austral, grüne Wiesen, die chilenischen Freunde, Bäume und Temperaturen im einstelligen Bereich locken ...
Umkehr, kein Benzin und ein ruhiges Sylvester (30-31/12/09)
Einen Tag nach unserer Grenzpleite fahren wir den Weg über den Paso San Franzisco zurück. Die Gegend ist traumhaft, aber so richtig geniessen kann es niemand von uns. Auf 4300 Meter Höhe verweilen wir eine Zeit lang an der Laguna Verde, Line badet sogar im etwa 40 Grad heissen Wasser der warmen Quellen. Die Schotterstrecke ist teilweise nicht ganz ohne, mit zerfurchten Sand- und Schotterrinnen. Am besten kommt Sandra damit klar, sie fliegt über den Schotter, als gäbe es kein Morgen ... Ein Hoch auf EMLs stabile Gespannkonstruktion! Nächstes Jahr melden wir Sandra zur Dakar-Rallye, die hier in ein paar Tagen vorbeiführen wird, an. Apropos: An der chilenischen Grenzstation kam der Vorbereitungstrupp zur Dakar vorbei, aber die interessierten sich mehr für Sandras Gespann als wir uns für die Rallye ;-)
Auf der argentinischen Seite anschliessend eine weitere Pleite: Am Grenzübergang gibt es zwar Benzin, aber leider ist es ausverkauft, und das Versorgungsfahrzeug kommt in 5 Tagen wieder vorbei ...
Nachdem wir uns aus dem etwa 180 KM entfernten Fiambala per Taxi 40 Liter Benzin haben kommen lassen, tuckern wir die Strecke nach dort zurück - unter Begleitung des Taxifahrers.
Dann entspannen wir einen Tag in Fiambala, soweit man bei 38 Grad Abendtemperatur und einem Mangel an Vegetation überhaupt entspannen kann. Immerhin funktioniert im Hotel die AirCondition. Das Sylvesterfest läuft umgekehrt zum argentinischen Weihnachtsfest ab: Nachdem wir uns mit argentinischem "Sekt" und ein paar Böllern auf den wie üblich lauten und lärmenden Marktplatz gesetzt haben, gehen um 22.30 zuerst die Lichter der Einkaufsläden und Supermärkte aus und anschliessend verschwindet alles in irgendwelche dunklen Quellen. Wir 6 bleiben als kümmerlicher Haufen mutterseelenallein zurück, stimmen um Mitternacht ein klägliches "Prost Neujahr!" an und feuern unsere Raketen ab. Der Sekt entpuppt sich als in Alkohol aufgelöster Gummibärchenklumpen - wir schütten die Reste in den trockenen Sand des Marktplatzes und hoffen, dass die wenigen Blumen dort es überleben. Ein paar Strassenköter und eine Handvoll Kinder schauen uns zu - ansonsten bleibt es recht ruhig. kann das wahr sein??? Die spinnen, die Argentinier ...
Absoluter Tiefpunkt ... (29/12(09)
Nachdem wir uns über fast 2000 Kilometer Hitze, Trockenheit und kleinere Missgeschicke endlich über den Paso San Franzisco gequält haben, kommt zuerst die grosse Freude und Begeisterung über die zuvorkommenden Chilenen: Obwohl die Grenze bereits seit einer Stunde geschlossen ist, kommen Zoll und Einwanderungsbeamte extra für uns noch einmal zusammen, um die Grenzabfertigung abzuwickeln - und wir dürfen angesichts der späten Stunde auch im Zollgebäude schlafen. Um die Kinder kümmert sich Marco, der nette Zöllner, er spendiert Joghurt und zeigt den Zollhund Ajax.
Tja, und dann die bittere Enttäuschung: wir haben ein Dokument für die Kinder nicht im Original mit und dürfen die Grenze nicht überqueren ... müde, erschöpft, hungrig, mit aufgeplatzten Lippen von der Höhensonne und mit Kopfschmerzen und Übelkeit angesichts der Höhe von 4000 Metern verbringen wir eine kalte Nacht bei Aussentemperaturen von etwa 4 Grad Minus - nach 43 Grad noch vor wenigen Tagen in der Nähe von Timogasta ... und das Benzin reicht weder für Hin- noch Rückweg, keiner hat Lust, den Pass erneut zu fahren - schlimmer gehts nimmer ...
Email sollte jetzt gehen ...
Wer uns auf andinos@izsr.de eine Mail schreiben wollte, bekam bisher eine Fehlermeldung - die sollte jetzt nicht mehr kommen. Sorry ...
Tagesrekord und 40 Grad im Schatten ... (25/12/2009)
Heute haben wir den Tagesrekord an Kilometern aufgestellt (380 km von La Falda nach La Rioja) - und den Rekord an Tagestemperaturen (39,5 Grad im Schatten) ... wer kommt eigentlich freiwiliig hierher - außer uns bekloppten Deutschen auf ihrem Weg in die (hoffentlich) kühleren Anden ... ?
Jetzt sitzen wir im 4-Sterne-Hotel "Kings Hotel" in La Rioja, draußen sind schattige 38 Grad, die Kinder toben im Pool herum (in dem die offenen Chlortabletten fröhlich vor sich hindümpeln), es gibt außer Wasser nur Bier und Fernet, und Harri und Carsti erfreuen sich am einzigen Gericht auf der Karte, Toast mit Schinken und Käse ... Morgen wollen wir in die Anden fahren, bloss schnell raus hier - auf 3000 Meter Höhe kann es einfach nicht mehr dermassen pervers heiß sein.
Frohe Weihnachten - mit Feuerwerk! (24/12/2009)
Falls jemand hier mitliest: Frohe Weihnachten an euch alle ... ! Nein, wir sind überhaupt nicht neidisch, dass in Bremen und umzu die erste weiße Weihnacht seit über 20 Jahren war :-(((((( - stattdessen haben wir in unserer Hütte in der Nähe der Stadt Cordoba eine besinnliche Weihnacht verbracht, nachdem wir den zweiten Verletzten hatten (Platzwunde beim Herumtoben am Swimmingpool nach blauer Nase am Ufer des Rio de la Plata) und Harri, Carsti und Larsi eine schöner Weihnachts-Schotterrunde auf den Pan de Azucar gemacht haben. Lecker Weihnachtsessen, Prosecco und Bescherung unterm bunt blinkenden Weihnachtsbaum in Fernandos Garten. Dann gemeinsames "Stille Nacht!"-Singen, um 11 ins Bett - und um Mitternacht sind wir alle wieder aufgewacht vom knatternden Weihnachts-Feuerwerk und den Chinaböllern der Argentinier - die sich wahrscheinlich über die "loco allemanes" (die verrückten Deutschen) gewundert haben, die Weihnachten so still und artig sind und um 23 Uhr ins Bett gehen ...
Endlich Schotter - und Wolkenbrüche!!! (23/12/2009)
Wir haben südlich von Cordoba einen wunderschönen Zeltplatz entdeckt. Unseren Versuch, von dort über eine Schotterstrasse durch die Sierra de la Calamuchita zu gelangen, brechen Harri und ich auf unserer Pfadfindertour ab - mit dem Gespann würden wir einen Tag dafür brauchen, mit den GSen ist es eine Riesengaudi ;-)
Nachts evakuieren wir nach stundenlangem, beeindruckenden Wetterleuchten und einem hereinbrechenden Gewitter den Zeltplatz, es gibt einen heftigen Wolkenbruch, und wir verbringen eine ungemütliche Nacht in den (zum Glück noch nicht eröffneten) sanitären Anlagen ;-)
1000 KM von Buenos Aires! (22/12/2009)
Über Canuelas und Chivilcoy sind wir nach Venado Tuerto gelangt, einer Stadt in der Einöde, in der Sonntags abends die Sau abgeht - die Hauptstrasse wird gesperrt für Strassencafes, Sambatruppen und Breakdancer, auf allen anderen Strassen wird mit schrottigen Autos, ballernden Geländewagen mit 150-dB-Stereoanlagen und zu viert auf knatternden Moppeds gefahren, als gäbe es kein Morgen ...
Immerhin: wir haben die ersten 1000 KM von Buenos Aires geschafft, und die Moppeds schlagen sich wacker.
35 Grad in der Pampa (21/12/2009)
Seit gestern fahren wir Stunde um Stunde durch die Pampa ... während der Fahrt sind es meist über 30 Grad. In den Ortschaften sind wir mal wieder die Attraktion - vor allem das Gespann, "Moto mit Auto". Durch Trinkpause hier und Packen dort und Tanken und Kinderspiele und Suche nach Hotels mit AirCondition kommen wir nur langsam voran, aber wir nähern uns allmählich den Anden. Sandra schlägt sich super auf ihrem Mäuse-Mobil, dem dicken R 100 GS-Gespann - mit vollem Gepäck und zwei Kindern an Bord ...
Jetzt gehen wir erstmal was leckeres Essen - das kulinarische Paradies kann ausser in Frankreich oder Dänemark nur noch in Argentinien liegen!!!
Endlich raus ... ! (19/12/2009)
Unglaublich, aber wahr - nach fünf Tagen Kampf mit dem Zoll haben wir gestern abend die Motorräder aus der lagerhalle in La Boca herausbekommen und sind durch den wie immer chaotischen Verkehr von Buenos Aires die ersten 50 Kilometer Richtung Südwesten gefahren - heute wollen wir von Canuelas, unserer ersten Übernachtung hier, 20 Kilometer südwestlich von B.A., den Bogen um die Hauptstadt herum und in Richtung Westen und Anden machen ... es ist viiiel zu heiss (über 30 Grad), schwül, und es gibt sehr viele Mücken ...
Endlose Fußmärsche ... (16/12/2009)
Wenn wir schon mal auf Reisen gehen, gehören Pleiten, Pech, Pannen und unerwartete Zwischenfälle irgendwie dazu - nachdem wir gestern durch Eigenerfahrung (auf die wir durchaus hätten verzichten können) gemerkt haben, dass sich die Praxis der Zolldeklaration (seit unserem ersten Besuch hier vor 15 Jahren stets unverändert) ein wenig geändert hat (man muss neuerdings morgens ab 7.30 zwei Stunden für einen Platz in der Warteschlange anstehen, macht man das nicht, muss man "Manana manana" wiederkommen), stecken jetzt zwei unserer Moppeds im Zoll fest, weil sie beide auf einen Namen angemeldet sind - so glaubt der Zoll nicht, dass es touristisch genutzte Fahrzeuge sind.
Also sind wir stundenlang durch B.A. gerannt, vom Zoll zum Spediteur und zum Notar; morgen sollen wir eine beglaubigte Bescheinigung erhalten, dass alles seine Richtigkeit hat - und Freitag morgen ab 7.30 werden wir dann beim Zoll einen erneuten Versuch starten ...
Media de Lunas und Cafe con Leche (15/12/2009)
Gestern sind wir stundenlang durch Buenos Aires gewandert - enge Häuserschluchten mit stinkendem, lärmenden Verkehr, Gehupe, Gedrängel, Strassenverkäufer - das Übliche halt ... Buenos Aires ist ein bisschen so, als würde man in Deutschland eine vielbefahrene Autobahn durch eine Fussgängerzone leiten ... ;-)
Immerhin: der Container mit unseren Moppeds ist angekommen, und heute (am Dienstag) wollen wir mit den Papieren der Spedition zum Zoll gehen und anschliessend nach La Boca, eventuell bekommen wir die Moppeds heute noch zu sehen ... und vielleicht springen sie dann ja auch an ;-)
Angekommen ... !
Seit gestern, dem 13. Dezember, sind wir (wieder mal) in Buenos Aires - nach fast 14 Stunden Flug, ächz!!!
Danke an Helge, Frank, Markus und Ute für das Abschiedskomitee und die Nikoläuse (die leider grossteils weder die Flughafenkontrolle noch den warmen Flug überlebt haben ... )
Wetter in B.A.: bedeckt, aber über 20 Grad. Jetzt geht es erstmal zur Spedition und zum AppleStore, Ersatz für das vergessene Netzteil kaufen ...
Unsere nächste längere Südamerika-Reise führt uns seit dem 13. Dezember 2009 bis Ende Januar 2010 durch Argentinien - und zwar wieder mit dem Motorrad.
Wir sind vier Erwachsene und zwei Kinder und fahren mit vier Motorrädern. Für drei von uns ist es nicht die erste Reise nach Südamerika mit Motorrad ...
Unsere drei Solomotorräder (BMW R 100 GS, R 80 GS, BMW/HPN R 80 G/S) und das BMW R 100 GS-EML/EZS-Gespann sind am 9. 12. per Schiff in Buenos Aires eingetroffen.
Den Transport hat Lexau.Scharbau übernommen. Wir haben einen eigenen 20"-Container gemietet, in dem es allerdings auch bereits ziemlich knapp wurde ...
Von Buenos Aires aus möchten wir gerne in Richtung Nordwesten in die Anden fahren, möglichst nach Salta, Tucuman, Atacamawüste (Chile) und zum Salar de Uyuni in Bolivien; falls Zeit, Geld, Lust und Pannenlage es zulassen, eventuell auch noch zum Titicacasee und somit nach Peru.